DEMOKRATIE

DEMOKRATIEBILDUNG

Susann Gessner ist Jury-Mitglied des Themenpreises Demokratiebildung des Deutschen Schulpreises 2025 und Leiterin der Didaktik der politischen Bildung an der Universität Marburg. Sie erklärt, was die Demokratiebildung an der Schule An der Burgweide besonders macht.

Zwei Schüler sitzen an einem Tisch und besprechen ihre Aufgabe.© 1

Demokratiebildung ist an dieser Schule klar strukturell verankert. Es gibt zahlreiche und vor allem gut funktionierende Beteiligungsgremien für Schüler:innen, Eltern und Lehrkräfte. Alles ist eingebettet in das jahrgangsübergreifende Konzept der Schule. Besonders beeindruckt hat mich das Fach „Lernen durch Engagement“. Zwei Wochenstunden sind dafür fest im Stundenplan verankert. Das ist ein deutliches Zeichen, dass Demokratie auch als Lerninhalt ernst genommen wird. Hinzu kommt ein starkes Bewusstsein für gesellschaftliche Verantwortung. Die Schule versteht es als ihren Auftrag, Kinder auf ihre Rolle in der Gesellschaft vorzubereiten. Dazu gehört, Räume zu schaffen, in denen auch Grundschulkinder über welt- und tagespolitische Themen sprechen können. Damit ist die Schule An der Burgweide ein herausragendes Beispiel dafür, wie komplexe gesellschaftliche Fragen altersgerecht thematisiert und institutionalisiert werden können.

Publikation der Rober-Bosch-Stiftung zum Themenpreis Demokratiebildung des Deutschen Schulpreises 2025 DOWNLOAD


LERNEN DURCH ENGAGEMENT – LDE

Seit Februar 2024 gibt es an der Schule An der Burgweide ein neues Unterrichtsfach: Lernen durch Engagement – LdE. Zwei Unterrichtsstunden pro Woche lernen die Kinder, sich in Projekten sozial zu engagieren. LdE kann bereits im Grundschulalter erfolgreich praktiziert werden, um Selbstorganisation und zivilgesellschaftliches Engagement zu stärken.

Dabei kommen sowohl die Ideen für die Projekte als auch die Strukturierung der Durchführung von den Kindern selbst. Die Erwachsenen müssen lernen, sich zurückzunehmen, geben aber natürlich Tipps und helfen.

Bereits in der Vorschule bahnen wir das soziale Engagement an, indem die Kinder lernen, sich im Sozialraum zu orientieren. Kooperationspartner ist hier die GÖP (Gesellschaft für Ökologische Planung), die sich für den Erhalt und Schutz z. B. des in Wilhelmsburg gelegenen Naturschutzgebietes Heuckenlock einsetzt.

Weitere Projekte in Stufe 1-3 und 4-6 sind die Organisation von Gesprächskreisen mit alten Menschen, Spenden sammeln fürs Tierheim, Gestaltung eines Insektenhotels gemeinsam mit dem NABU, Kooperation mit einem Seniorenheim, bei der die Kinder den Senioren die Nutzung von Handys und Tablets erklären.

Durch das soziale Engagement und das Gefühl, sich für andere einsetzen und starkmachen zu können, wird die Selbstwirksamkeit der Kinder enorm gestärkt. Sie lernen aber auch, dass nicht alle Projekte, die sie gern angehen würden, durchführbar sind. Eine Lerngruppe wollte selbst zubereitete Speisen auf dem Wochenmarkt verkaufen. Aufgrund umfangreicher Hygienebestimmungen wurde dies jedoch nicht gestattet. Auch das Scheitern kann ein Lernprozess sein.


KLASSENRAT

Die Klassen treffen sich einmal pro Woche im Klassenrat. Die Schüler*innen leiten den Klassenrat selbst. Sie sprechen, beraten und diskutieren über aktuelle Themen, Bedürfnisse, Wünsche und klären Streitigkeiten. Ziel ist, das Zusammenleben in der Klassengemeinschaft zu verbessern. Gleichzeitig werden demokratische Strukturen gelernt und gelebt. Der Klassenrat steht im ständigen Austausch mit der Kinderkonferenz. Themen werden aus dem Klassenrat in die Kinderkonferenz gegeben und umgekehrt.


KINDERKONFERENZ – KiKo

Demokratiearbeit an der Schule an der Burgweide. Kinderkonferenz.© 2
Demokratiearbeit an der Schule an der Burgweide. Kinderkonferenz.

Verfasst von den Kindern der KiKo im März 2025
Die Kinderkonferenz (KiKo) ist ein Rat, in den wir am Anfang des Schuljahres gewählt werden. Wir treffen uns jede Woche in der Leseburg.

Es findet auch eine Kindervollversammlung statt. Dort treffen sich alle Klassensprecher*innen und Vertreter*innen und wir stellen unsere fertigen Projekte vor. Die Kinder werden von zwei Lehrkräften unterstützt und bei Bedarf beraten.

Die Kinderkonferenz wird von uns Kindern geleitet. Die Kinderkonferenz ist das Bindeglied zwischen Klassenrat und Kollegiumskonferenz. Sie stärkt die Schule, Gemeinschaft und vermittelt Schüler*innen praktische Grundwerte der Demokratie.

Es gibt auch einen KiKo-Briefkasten. Die Kinder können ihre Wünsche und Probleme aufschreiben und in den Briefkasten reinwerfen. Er hängt in der Insel.


SCHÜLER*INNENZEITUNG

Seit 2002 gibt es An der Burgweide eine Schüler*innen-Zeitung. Über die Jahre hat sich unser Name verändert, auch unsere Erscheinungsform, aber unsere Grundhaltung ist die gleiche geblieben: Den Schüler*innen ein Mittel in die Hand zu geben, ihre Schule als Lebens- und Arbeitsraum mitzugestalten. Diese Haltung geht zurück auf den Ansatz des französischen Pädagogen Célestin Freinet: »Den Kindern das Wort geben«.

Demokratiearbeit an der Schule an der Burgweide. Redaktionssitzung Burgnews© 3

Unsere 45-köpfige Redaktion aus Schüler*innen der Jahrgänge 3 bis 6 wird geleitet von zwei Lehrer*innen und unterstützt von einem Vater mit Erfahrung als Journalist, sowie einem Mitglied des Schulleitungsteams. Auf unseren KIDS-Seiten gibt es mehr Infos zur BURGNEWS.